Zum Inhalt

Höchste Zufriedenheit im Kontext von Sicherheit und Wohnen

Im Jahr 2010 fand der Bauträgerwettbewerb mit dem übergeordneten Schwerpunktthema „Wohnsicherheit“ für das Projektgebiet in der Floridsdorfer Gerasdorferstraße aus. Aus fünf Bearbeitungsgebieten wurden rund 680 Wohneinheiten realisiert, die 2014 bezogen wurden. Sowohl bei der Planung, als auch bei der weiteren Betreuung der Projekte sollte auf dieses Thema in räumlicher, struktureller, technischer, aber auch sozialer Hinsicht besonderer Wert gelegt werden. Das Projekt in Bearbeitungsgebiet 5 (gemeinnützige Bauvereinigung WBV-GÖD, Planung SUPERBLOCK Architekten), bestehend aus 78 Wohnungen und 87 Gartensiedlungshäusern, wurde von wohnbund:consult im Auftrag der Wohnbauforschung nach Bezug einer umfassenden Evaluierung mittels Online-Befragung und qualitativen Interviews unterzogen. 119 Personen nahmen an der Umfrage teil.

„Bei den Siegerprojekten ,Gerasdorfer Straße‘ wurden mehrere Aspekte von qualitätsvollem und vor allem leistbarem Wohnen mit besonderem Augenmerk auf die Sicherheit optimal miteinander verbunden. Obwohl Wien nach wie vor eine der sichersten Metropolen weltweit ist, haben viele Menschen dennoch ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis. Die Evaluierung zeigt, dass neben allen planerischen und technischen Sicherheitsvorkehrungen vor allem die guten nachbarschaftlichen Beziehungen das subjektive Sicherheitsempfingen wesentlich positiv beeinflussen“, so Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Im Vorfeld des Bauträgerwettbewerbes, der vom wohnfonds_wien durchgeführt wurde, waren in enger Zusammenarbeit mit dem kriminalpolizeilichen Beratungsdienst Konzepte zur Wohnsicherheit erarbeitet worden. Dieses Thema war nicht nur in der Planung sondern auch in der weiteren Betreuung von den Bauträgern zu berücksichtigen.

Hohe Wohnzufriedenheit und Sicherheit

Die Wohnzufriedenheit in der Wohnanlage von Bearbeitungsgebiet 5 ist generell als hoch zu bewerten. Über 80% der Befragten geben an, dass die Wohnung den ursprünglichen Erwartungen sehr bzw. eher entspricht. Mit ihrer Wohnsituation insgesamt sind 83% der Teilnehmenden sehr bzw. eher zufrieden. Knapp 90% der Befragten geben an, gerne in der Wohnung zu wohnen. Fast 85% der Beteiligten beurteilen ihre Wohnumgebung als (sehr) sicher. In den qualitativen Interviews gaben alle Befragten an, dass sie sich sehr sicher fühlen. Hier werden vor allem auch der nachbarschaftliche Kontakt und die soziale Kontrolle als wesentliche „Sicherheitsmaßnahmen“ angeführt.

Sehr intensive nachbarschaftliche Kontakte in der Wohnanlage

Bezogen auf die gesamte Wohnanlage herrscht die höchste Zufriedenheit mit dem nachbarschaftlichen Kontakt: Knapp 85% geben an, damit sehr (46%) bzw. eher (39%) zufrieden zu sein. Diese hohe Zufriedenheit spiegelt sich auch in der Intensität des nachbarschaftlichen Kontakts wider: Fast 60% geben an, dass sie hin und wieder kurze Gespräche mit ihren NachbarInnen führen, ebenso viele geben an, gegenseitige Besuche und gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen. Diese Entwicklung ist vor allem bezüglich der Einstellungen vor Bezug interessant: Sowohl bei den InteressentInnen, als auch den zukünftigen BewohnerInnen spielte Nachbarschaft vor Bezug bzw. in ihrer alten Wohnumgebung eine vergleichsweise geringe Rolle. „Das spricht für die nachbarschaftsfördernden und gemeinschaftsbildenden Elemente im Projekt durch die räumliche und strukturelle Gestaltung, aber auch durch die Veranstaltungen im Rahmen des Besiedlungsmanagements. Im geförderten Wiener Wohnbau liegt generell ein Schwerpunkt darauf, bestmögliche Bedingungen zu schaffen, die ein gutes Miteinander fördern“, hält Stadtrat Ludwig fest.

Offene Gestaltung unter Gewährleistung von Privatheit hat sich bewährt

Die offene Gestaltung der Wohnanlage bildet ein grundlegendes Element des Konzepts. Durch Einsichtigkeit, Verzicht auf (blickdichte) hohe Umfriedungen und die Schaffung eines großzügigen halböffentlichen Freiraums sollten Kommunikation, Nachbarschaft, Gemeinschaftlichkeit und gegenseitige Verantwortung gefördert werden. Dieser Anspruch scheint insbesondere durch die intensiven nachbarschaftlichen Kontakteerfüllt zu sein. Gleichzeitig zeigte sich im Projektverlauf, dass eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Privatheit und (Halb-)Öffentlichkeit notwendig wurde und die Gewährleistung von einem Stück Privatheit auch durch ein gewisses Ausmaß an Abgrenzung notwendig ist. Trotzdem leisten gerade auch die halböffentlichen Bereiche, wie die Vorgärten, einen wesentlichen Beitrag zur Nachbarschafts-‐ und Gemeinschaftsbildung.

Das Projekt im Detail:

Dieses Projekt besteht aus zwei Wohnblöcken und drei Gartensiedlungsparzellen. Der so entstehende Zwischenraum ist kein klassischer Anger, sondern ein sich verändernder, durch bewusst gesetzte Unterbrechungen der Kurven getakteter Raum. Die dadurch entstehenden Segmente bilden Kleingemeinschaften innerhalb der Siedlung. So werden maximal 8 Einzelhäuser zu einer Reihenhauszeile zusammengefasst. Die so genannte "grüne Welle" schafft einen verdichteten Siedlungseingang in der Grundstücksmitte. Die beiden Wohnblöcke rechts und links des Quartierseinganges werden durch je drei Stiegenhäuser unterbrochen. Diese Stiegenhäuser bilden, ähnlich den Reihenhausblöcken der Gartensiedlung Kleingemeinschaften und verbinden zwischen 8 und 16 Wohnungen.

Alle Eingangs- und Wohnungstüren sind ausschließlich als zertifizierte Sicherheitstüren ab Widerstandsklasse 3 ausgeführt. Fenster und Terrassentüren in den Erdgeschoßzonen sowie Fenster und Balkone in anderen einbruchssensiblen Bereichen sind ebenfalls mit einbruchshemmenden Sicherheitsmerkmalen ausgestattet - etwa durch sogenannte Pilzzapfenverriegelungen, die beim Versuch des Aushebelns der Fenster massiven Widerstand leisten. Auch die Tiefgarage sowie Kellerabteile, Fahrrad- und Kinderwagenabstellräume sind mit Sicherheitsvorrichtungen versehen.

In einem Zeitraum von fünf Jahren wurde das Projekt sozialorganisatorisch in drei Phasen begleitet:

  • Infophase (ab September 2010): Herausgabe einer Info-Broschüre, Befragung Interessierter, Informationsabende für Interessierte, Informationsabende für barrierefreie Wohnungen, Gruppentreffen „stiege verbindet“
  • Bezugsphase (ab März 2014): Online-Befragung vor Bezug, Informationsabend für zukünftige BewohnerInnen, thematische Workshops zu Besiedelung & Kommunikation, Sicherheit & Hunde, Grün- & Freiraum, Barrierefreiheit und Kinder/Jugendliche
  • Einwohnphase (ab April 2014 bis Frühling 2015): Bildung von Arbeitsgruppen, Unterstützung von Bewohneraktivitäten, Begehungen/“Reality Checks“, Feedbackrunden

Zur Hauptnavigation