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Neue(s) Vorzeigebeispiel(e) der Wiener Stadterneuerung

Wien verfügt über den am besten erhaltenen Bestand an Gründerzeithäusern in Europa. Ohne das jahrzehntelange Engagement der Stadt Wien, verbunden mit dem Einsatz enormer Fördermittel, würde sich das historische Stadtbild heute weit weniger attraktiv präsentieren. Durch den kontinuierlichen Einsatz der Stadt konnten Gründerzeitgebäude in Wien weitgehend bewahrt und in der Wohnqualität deutlich aufgewertet werden.

Neben zahlreichen weiteren aktuellen Beispielen dokumentiert auch die Sanierung des von einer Gasexplosion vor drei Jahren schwer gezeichneten Gründerzeithauses an der Oberen Mariahilfer Straße 182 die intensiven Bestrebungen der Stadt Wien, historische Bausubstanz zu erhalten. Das massiv beschädigte Gebäude wurde unter größten Bemühungen und mit Fördermitteln im Umfang von 4,4 Mio. Euro gerettet.

Heute, Mittwoch, den 19. April 2017, informierten Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal, Architekt Günther Trimmel und Architektin Isabella Wall von dem mehrfach mit dem Wiener Stadterneuerungspreis ausgezeichneten Architekturbüro Trimmel Wall Architekten, sowie DI Michaela Trojan, Geschäftsführerin des wohnfonds_wien, im Rahmen eines Pressegesprächs über das geförderte Sanierungsprojekt. Stadtrat Ludwig präsentierte zudem eine aktuelle Bilanz der Sanften Wiener Stadterneuerung.

„Nach der Sanierung wird das Gebäude ein optisches und wohnliches Highlight in einem Gebiet darstellen, in dem aktuell eine Blocksanierungsoffensive läuft und das zudem Präsentationsgebiet der Internationalen Bauausstellung Wien, IBA_Wien, sein wird“, betont Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. „Die IBA_Wien steht für Innovation. Das Gründerzeithaus Obere Mariahilfer Straße 182 ist deshalb auch Gegenstand eines spannenden und zukunftsweisenden Forschungsprojekts. Konkret wird erstmals ein neuer Hochleistungsdämmputz erprobt, der künftig auch die Wärmedämmung von reich gegliederten Gründerzeithausfassaden ermöglichen soll“, so Ludwig.

„Seit Jahren profitiert der 15. Bezirk von der sanften Stadterneuerung und Unterstützung durch Stadtrat Ludwig, der ein verlässlicher Partner ist und damit auch einen großen Anteil zum Aufschwung des Bezirkes beigetragen hat. Mit dem Gebiet Rustendorf wird die 18. Blocksanierung in Rudolfsheim-Fünfhaus durchgeführt. Durch die geförderten Sanierungen sind die Mieten für die nächsten 10 bzw. 15 Jahren gedeckelt und die Gentrifizierung kann verhindert werden“, unterstrich Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal.

„Das Gründerzeitgebäude an der Oberen Mariahilfer Straße 182 befindet sich im Blocksanierungsgebiet Rustendorf, dem vierten Blocksanierungsgebiet, das in den letzten drei Jahren im 15. Bezirk gestartet wurde. Ein deutliches Zeichen für den Erneuerungswillen und -prozess in den Gründerzeitvierteln zwischen Westbahntrasse und Wiental“, betonte DI Michaela Trojan, Geschäftsführerin des wohnfonds_wien, der nunmehr seit 33 Jahren maßgeblich an der Sanften Stadterneuerung beteiligt ist.

v.l.n.r.: Architektin Wall, Stadtrat Ludwig, Architekt Trimmel und Bezirksvorsteher Zatlokal im neuen oberen Dachgeschoß des Gründerzeithauses.

Forschungsprojekt: Innovativer Dämmputz für Gründerzeit-Fassaden

Gründerzeit-Fassaden können bislang nicht mit einer Wärmedämmung versehen werden, da dadurch ein Großteil der Gliederung und des Schmucks verloren gehen würde. Eine innovative Entwicklung – der Aerogel-Hochleistungsdämmputz – könnte hier eine zukunftsweisende Lösung bieten.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts gemeinsam mit der TU Wien und der Energieberatung e7 wird nun dieser spezielle Dämmputz, nach erfolgreichen Testläufen an Feuermauern, erstmals in Wien bei der Sanierung des Gründerzeithauses Obere Mariahilferstraße 182 erprobt. Ziel ist es, das ursprüngliche Erscheinungsbild der Fassade zu erhalten. Zum ersten Mal wird eine gegliederte Fassade mit Fensterfaschen und Gesimsen mit diesem Wärmedämmputz ausgeführt. Das Forschungsprojekt wird an der Fassade des Gebäudes an der Seite Denglergasse auf einer Fläche von ca. 250 m² und in einer Putzdicke von ca. 5,5 cm umgesetzt. Das technische Monitoring wird Messungen des Wärmestroms durch die straßenseitige Bestandsfassade vor und nach Aufbringen des Aerogeldämmputzes umfassen.

Bester Wohnkomfort in erneuertem Gründerzeithaus

Zwei Geschosse und das Dach des Wohnhauses sind bei der verheerenden Explosion im April 2014 größtenteils eingestürzt. Die Stadt Wien hat umfassende Soforthilfe geleistet – direkt am Unglücksort, aber auch bei der Wohnversorgung der BewohnerInnen. Allein 18 Mieterinnen und Mieter, die darauf angewiesen waren, haben eine Gemeindewohnung erhalten. Danach war es das Ziel der Stadt Wien, das schwer in Mitleidenschaft gezogene Gründerzeithaus zu erhalten. BewohnerInnen, die dies wünschen, wird damit auch die Rückkehr in Ihr früheres Zuhause ermöglicht.

„Nach zehn Monaten Bauzeit ist die statische Sanierung des Gründerzeithauses vom Keller bis unter das Dach abgeschlossen und wir können die Dachgleiche feiern. Eine unserer nächsten Aufgaben ist die Wiederherstellung der stadtbildprägenden Gründerzeitfassaden, dazu gehört auch die Umsetzung des Forschungsprojekts ,Gegliederte Aerogel- Wärmdämmputzfassade‘ in der Denglergasse. Bis zum Dezember dieses Jahres wollen wir die Gesamtfertigstellung realisieren“, erläuterte Architekt Günther Trimmel, Architekturbüro Trimmel Wall Architekten.

Archtektin Isabella Wall ergänzte: „Wir haben in den letzten Wochen bereits mit dem Innenausbau begonnen. Im Spannungsfeld zwischen Altbaucharakter und Modernisierung entstehen derzeit auf einer Wohnnutzfläche von 2.360 m² für die zukünftigen Mieter 20 Altbau- und 9 Dachgeschoß-Wohnungen. Wir freuen uns bereits auf die Umsetzung eines weiteren innovativen Sanierungsprojektes im Blocksanierungs- und IBA_Wien-Gebiet – der Braunhirschengasse 7 – mit dessen Umsetzung wir in wenigen Wochen starten werden.“

Die Sanierungsmaßnahmen im Überblick:

  • Strukturverbesserung: Teilabbrüche der Hoftrakte – so entsteht Raum für einen gemeinsamen begrünten Innenhof sowie Wohnungsterrassen. Darüber hinaus wird dadurch für eine bessere Belichtung des Wohnungsbestands gesorgt
  • Standardanhebung und Zusammenlegung von Wohnungen (Wohnungen in der Größe von 50 bis 138 m2 nach der Sanierung)
  • Dachgeschossausbau: Durch 9 neue Wohnungen (Größen: 40 bis 140 m2), die teilweise mit Terrassen ausgestattet sind, kann der durch die Explosion und die Teilabbrüche verloren gegangene Wohnungsbestand weitgehend ersetzt werden
  • Umfassende Wärmedämmmaßnahmen, Einbau von Schallschutzfenstern - Herstellung eines Kinderwagen- und Fahrradabstellraumes, eines Müllraumes sowie von Balkonen
  • Einbau einer Hauszentralheizung mit Warmwasseraufbereitung (Fernwärme)
  • Einbau einer Solaranlage zur Unterstützung der Warmwasserversorgung - Zubau eines Personenaufzugs in behindertengerechter Ausführung
  • Schaffung von 7 Stellplätzen in einer ebenerdigen Garage, deren Dach begrünt und als Innenhof genützt werden wird

Wohnhäuser mit mehr als 25.800 Wohnungen aktuell in geförderter Sanierung

Der Wiener Weg zur Erhaltung des gründerzeitlichen Erbes ist die Sanfte Stadterneuerung, deren Ziel neben der Schaffung von leistbarem Wohnraum die Steigerung der Wohn- und Lebensqualität der Bewohnerschaft im innerstädtischen Raum ist.

Die Modernisierung des Wohnumfeldes und die Beseitigung baulicher Nachteile führen zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Mit der Förderung von Wohnhaussanierungen können Mieterhöhungen, die zur Refinanzierung von Kosten dienen, deutlich unterhalb von Beträgen gehalten werden, die durch freifinanzierte Sanierungen erzielt werden.

Blocksanierungen sind ein wichtiges Instrument der Sanften Wiener Stadterneuerung. Sie bedeuten eine aktive Information von EigentümerInnen und BewohnerInnen, liegenschaftsübergreifende Konzepte für die Erneuerung des Wohnhausbestandes, für die Gestaltung und Schaffung von Freiräumen sowie für die Aufwertung des öffentlichen Raums.

Die Stadt Wien investiert jedes Jahr kontinuierlich in die Wohnhaussanierung. Seit 2005 wurden mehr als 3.000 Wohngebäude mit rund 138.000 Wohneinheiten gefördert saniert. Die Fördermittel machten insgesamt 2,3 Mrd. Euro aus (1,6 Mrd. Landeszuschuss, 0,7 Mrd. Landesdarlehen), die Gesamtsanierungskosten 3,5 Mrd. Euro.

In geförderter Sanierung (in Vorbereitung und in Bau) befinden sich aktuell 346 Wohngebäude mit rund 25.800 Wohneinheiten. Die Fördermittel der Stadt betragen insgesamt rund 516 Mio. Euro (355 Mio. Landeszuschuss, 161 Mio. Landesdarlehen), die Gesamtsanierungskosten rund 985 Mio. Euro.


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